Kurz erklärt: Welche Länder gelten als Steueroase?
Eine einzige offizielle Liste gibt es nicht. Die EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete, zuletzt am 17. Februar 2026 überarbeitet, nennt zehn: Amerikanisch-Samoa, Anguilla, Guam, Palau, Panama, Russland, die Turks- und Caicosinseln, die Amerikanischen Jungferninseln, Vanuatu und Vietnam. Die bekannteste unabhängige Rangliste, der Corporate Tax Haven Index des Tax Justice Network, wird dagegen von den Britischen Jungferninseln, den Kaimaninseln und der Schweiz angeführt.
Für Deutschland zählt vor allem das Steueroasen-Abwehrgesetz: Wer Geschäfte mit Partnern in gelisteten Gebieten macht, kann die Ausgaben dafür grundsätzlich nicht mehr steuerlich absetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die EU-Liste bewertet die Kooperation bei Steuertransparenz, nicht die Höhe der Steuersätze.
- Unabhängige Ranglisten messen, wie viel Steuervermeidung ein Land tatsächlich ermöglicht, und führen deshalb auch große Finanzplätze auf.
- Nach § 8 StAbwG mindern Aufwendungen aus Geschäften mit gelisteten Gebieten den Gewinn nicht.
- Wer in ein Niedrigsteuerland zieht, kann nach § 2 AStG bis zu zehn Jahre in Deutschland steuerpflichtig bleiben.
- 116 Staaten tauschen Kontodaten bereits automatisch aus.
Welche Länder stehen auf der EU-Liste der Steueroasen?
Der Rat der EU aktualisiert seine Liste nicht kooperativer Steuergebiete zweimal im Jahr. Bei der Überarbeitung vom 17. Februar 2026 kamen die Turks- und Caicosinseln und Vietnam hinzu, Fidschi, Samoa sowie Trinidad und Tobago wurden gestrichen. Die nächste Überarbeitung ist für Oktober 2026 vorgesehen.
| EU-Liste (Anhang I) | Graue Liste (Anhang II): Zusagen offen |
|---|---|
| Amerikanisch-Samoa, Anguilla, Guam, Palau, Panama, Russland, Turks- und Caicosinseln, Amerikanische Jungferninseln, Vanuatu, Vietnam | Belize, Britische Jungferninseln, Brunei, Eswatini, Grönland, Jordanien, Montenegro, Marokko, Türkei |
EU-Mitgliedstaaten stehen grundsätzlich nicht auf der Liste, weil sie nur Drittstaaten bewertet. Und sie richtet sich nach Kooperation statt nach Steuersätzen: Ein Gebiet ohne Steuern kann unbeanstandet bleiben, solange es Informationen austauscht.
Welche Länder führen die unabhängigen Ranglisten an?
Der Corporate Tax Haven Index des Tax Justice Network bewertet, wie viel Spielraum die Gesetze eines Landes Konzernen lassen, um Steuern zu vermeiden, gewichtet nach dem Kapital, das tatsächlich durch das Land fließt. Er wird laufend aktualisiert; zum Zeitpunkt dieses Artikels lauten die ersten zehn Plätze:
| Platz | Gebiet | Platz | Gebiet |
|---|---|---|---|
| 1 | Britische Jungferninseln | 6 | Hongkong |
| 2 | Kaimaninseln | 7 | Niederlande |
| 3 | Schweiz | 8 | Jersey |
| 4 | Bermuda | 9 | Irland |
| 5 | Singapur | 10 | Luxemburg |
Beim Financial Secrecy Index, der finanzielle Intransparenz für Privatvermögen misst, liegen die USA auf Platz eins, vor der Schweiz, Singapur, Hongkong und Luxemburg. Der Unterschied zur EU-Liste erklärt sich aus der Fragestellung: Die EU prüft die Zusammenarbeit, die Indizes messen, wo Steuervermeidung tatsächlich stattfindet.
Was regelt das deutsche Steueroasen-Abwehrgesetz?
Das Steueroasen-Abwehrgesetz (StAbwG) knüpft an die Gebiete an, die in der Steueroasen-Abwehrverordnung als nicht kooperativ benannt sind; diese Verordnung orientiert sich an der EU-Liste. Wer Geschäftsbeziehungen in solche Gebiete unterhält, muss mit vier Abwehrmaßnahmen rechnen, die das Bundesfinanzministerium erläutert:
- Abzugsverbot (§ 8 StAbwG). Aufwendungen aus Geschäftsvorgängen mit Bezug zu einem gelisteten Gebiet dürfen den Gewinn bzw. den Überschuss nicht mindern.
- Verschärfte Hinzurechnungsbesteuerung für Beteiligungen an Gesellschaften in diesen Gebieten.
- Quellensteuermaßnahmen auf bestimmte Zahlungen dorthin.
- Einschränkungen bei Gewinnausschüttungen und Anteilsveräußerungen.
Für Selbstständige ist vor allem das Abzugsverbot relevant: Wer etwa Software, Beratung oder eine Domain bei einem Anbieter mit Sitz in einem gelisteten Gebiet bezahlt, sollte prüfen, ob die Kosten noch absetzbar sind. Das setzt voraus, dass auf dem Beleg erkennbar ist, wo der Anbieter sitzt.
Kann man Steuern sparen, indem man in eine Steueroase zieht?
Seltener, als viele denken. Nach § 2 Außensteuergesetz bleibt beschränkt steuerpflichtig in erweitertem Umfang, wer in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre unbeschränkt steuerpflichtig war, in ein Gebiet mit niedriger Besteuerung zieht und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behält. Das gilt im Jahr des Wegzugs und bis zu zehn Jahre danach.
Sieht das Finanzamt Konten im Ausland?
Zunehmend ja, und zwar automatisch. Nach dem OECD-Standard für den automatischen Informationsaustausch melden Banken die Konten ausländischer Kunden an ihre Steuerbehörde, die die Daten an das Wohnsitzland weiterleitet. 116 Staaten haben diesen Austausch begonnen; 2024 wurden Daten zu mehr als 171 Millionen Konten mit einem Wert von fast 13 Billionen Euro übermittelt. Ein Konto im Ausland ist legal, die Erträge daraus müssen Sie aber in Ihrer Steuererklärung angeben.
Die globale Mindeststeuer von 15 Prozent, die auch Deutschland anwendet, betrifft dagegen nur Konzerne mit mindestens 750 Millionen Euro Umsatz, nicht Selbstständige.
Was heißt das für Selbstständige?
Vor allem: saubere Belege. Wer ausländische Kunden oder Lieferanten hat, braucht für jede Ausgabe denselben Nachweis wie im Inland, und bei gelisteten Gebieten zusätzlich den Sitz des Geschäftspartners. Wie Sie Belege dauerhaft geordnet halten, zeigt unser System zur Belegorganisation; wie lange Sie sie aufbewahren müssen, steht in unserem Leitfaden zu Aufbewahrungsfristen. Fehlt ein Beleg, hilft der Leitfaden zum Eigenbeleg.
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Häufige Fragen
Ist die Schweiz eine Steueroase?
Das hängt von der Liste ab. Auf der EU-Liste steht die Schweiz nicht, weil sie Steuerinformationen austauscht. Im Corporate Tax Haven Index des Tax Justice Network liegt sie aber auf Platz drei und im Financial Secrecy Index auf Platz zwei.
Ist ein Konto in einer Steueroase illegal?
Nein. Ein Konto oder eine Beteiligung im Ausland ist grundsätzlich legal. Strafbar wird es, wenn Erträge oder Vermögen dem Finanzamt verschwiegen werden. Über den automatischen Informationsaustausch erhält das Finanzamt Kontodaten aus mehr als 100 Staaten.
Was bewirkt das Steueroasen-Abwehrgesetz?
Es sieht Abwehrmaßnahmen gegen Geschäfte mit nicht kooperativen Gebieten vor, die in der Steueroasen-Abwehrverordnung benannt sind. Am wichtigsten für Selbstständige ist das Abzugsverbot nach § 8 StAbwG: Aufwendungen aus solchen Geschäften mindern den Gewinn nicht.
Wie oft wird die EU-Liste aktualisiert?
Zweimal im Jahr, meist im Februar und Oktober. Die letzte Überarbeitung vom 17. Februar 2026 nahm die Turks- und Caicosinseln und Vietnam auf und strich Fidschi, Samoa sowie Trinidad und Tobago.
Bin ich nach einem Umzug in ein Niedrigsteuerland nicht mehr in Deutschland steuerpflichtig?
Nicht unbedingt. Nach § 2 Außensteuergesetz bleibt erweitert beschränkt steuerpflichtig, wer in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war, in ein Niedrigsteuergebiet zieht und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behält, und zwar bis zu zehn Jahre lang.
Quellen
- Rat der EU: Aktualisierung der EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete (17. Februar 2026)
- Gesetze im Internet: Steueroasen-Abwehrgesetz (StAbwG)
- BMF: FAQ zum Steueroasen-Abwehrgesetz
- BMF: Grundsätze zur Anwendung des StAbwG (27. April 2026)
- Gesetze im Internet: § 2 Außensteuergesetz
- Tax Justice Network: Corporate Tax Haven Index
- Tax Justice Network: Financial Secrecy Index
- OECD: Automatischer Informationsaustausch, Peer Review 2025
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen, keine Steuer- oder Rechtsberatung. Listen und Regeln ändern sich; die endgültige Beurteilung Ihres Falls sollte eine qualifizierte Steuerberatung übernehmen.
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